Sparkasse Düren  

L.D. Stardust and the Ziggys from Mars beim Sparkassen-Jazzabend: „Ich fürchte, ich war in einen Bowie-Wahn verfallen“

von Oliver Schmitz-Kramer am in SKDN für die RegionKommentieren

Die Casting-Sieger aus Jülich: L.D. Stardust and the Ziggys from Mars

Sie waren die ersten Sieger der diesjährigen Jazz-Castings und werden den Sparkassen-Jazzabend am 3. Juni 2016 eröffnen: die David Bowie Tribute-Band L.D. Stardust and the Ziggys from Mars. Im Interview erzählt uns die sympathische Frontfrau, Lia Dolfus, wie sie von der ersten Jülicher Mädchen-Punk-Band zu David Bowie kam und wie sie in einem „Wahn“ um diesen großen Künstler verfallen ist.

 

Frage: Seit wann machen Sie in welcher Besetzung Musik?

Bereits als Kind habe ich Musik gemacht, z.B. habe ich Flöte gelernt und im Chor des Mädchengymnasiums Jülich gesungen. In diesen Formationen fanden dann auch erste Auftritte vor Publikum statt. Das fand ich damals schon toll. Irgendwann wechselte ich von der Flöte zum Klavier. Ich bekam dann mal zu Weihnachten eine Akustik-Gitarre, auf der ich mir – mehr schlecht als recht – ein paar Akkorde beibrachte. Da hab ich dann auch meine ersten eigenen Songs geschrieben und auf Kassette aufgenommen.

 

Im MGJ-Chor lernte ich ein paar Mädels kennen, die eine Punkband gegründet hatten. Mit 17 muss das gewesen sein, da bin ich mal zu einer ihrer Proben im Turm der evangelischen Kirche Jülich gegangen. Ich fand es super, allerdings fand ich, dass die Bassistin irgendwie immer daneben lag. Ich bat dann um den Bass – vorher hatte ich noch nie ein verstärktes Instrument gespielt – und hab den Rest der Probe nach Gehör mitgespielt. Von da an war ich als Bassistin in Jülichs „erster Mädchen-Punkrock-Band“ „Insanias“. Bei einigen selbstgeschriebenen Songs hab ich gesungen und E-Gitarre gespielt.

 

Wir hatten ein paar Jahre lang Konzerte und nahmen auch eine CD auf. Das war eine sehr schöne und intensive Zeit! Claudio D´Orsaneo, der in der Jülicher Musikszene schon bekannt war, kam dann 1998 auf mich zu und wollte mich als Bassistin für sein neues Projekt „Psycho Luna“ haben. Da hab ich natürlich eingeschlagen!

 

Parallel dazu gründete ich mit einigen anderen Musikern „Die Mokkafurchen“, eine Punk-Cover-Band. In beiden Projekten war ich lange Zeit die einzige Frau, was für mich überhaupt kein Problem darstellte. Ein Highlight war natürlich die dreiwöchige Europa-Tour mit „Psycho Luna“ als Supportband für „The Birthday Massacre“ aus Kanada im Jahr 2007. Das ist eine Erfahrung, die ich niemals vergessen werde!

 

Nachdem mit den „Mokkafurchen“ nur noch ein mal im Jahr und mit „Psycho Luna“ irgendwann gar kein Konzert mehr stattfand, habe ich mein eigenes Projekt „Lia Dolfus“ gegründet. Aber nach Wechseln in der Bandbesetzung funktionierte es nicht mehr so und wir beendeten das Ganze. Dann musste also was Neues her: Die Bowie-Band!

David-Bowie-Tribute-Band beim Sparkassen-Jazzabend

 

Wie kam es zu der Idee, eine Bowie-Tribute-Band zu gründen?

Ende 2012 schickte mein Onkel eine Einladung zu seinem 60.Geburtstag, auf der pro Jahrzehnt das Bild eines ihn beeinflussenden Künstlers zu sehen war. Die Einladung hing mit dem Cover-Bild des „Heroes“ Album von David Bowie nach Vorne an meiner Pinnwand. Ich wusste, wer das ist, hatte mich aber nie mit ihm beschäftigt. Als ich überlegte, was ich meinem Onkel schenken sollte, fiel mein Blick wieder auf Bowie.

 

Ich gab den Namen im Internet ein und zu meinem Glück stand ein ganz neues Album für Anfang 2013 – „The Next Day“ – an. Als es dann endlich veröffentlicht wurde hab ich es mir, noch bevor ich es meinem Onkel schenkte, angehört und war total überrascht, wie kraftvoll und „jung“ es klang. So kam ich dann auf den Geschmack und habe – dank der umfangreichen Sammlung meines Onkels – vor allem die frühen Werke regelrecht eingesogen. Ich fürchte, ich war in einen Bowie-Wahn verfallen.

 

Aber immerhin inspirierte mich dieser dazu, eine David Bowie-Tribute Band zu gründen. Die Idee dazu war über das Jahr 2013 in mir gereift. Dabei ging es mir darum, die unbekannteren Stücke, die es mir viel mehr angetan hatten, als die „Hits“, hervorzuheben. Zu zeigen, dass Bowie viel mehr ist und war, als man durch eben diese Hits suggeriert bekam. Ende 2013 machte ich mich auf die Suche nach der passenden Besetzung.

 

Wie kam die Band dann zusammen?

Ein paar Musiker meiner „Wunschliste“ sagten sofort zu:

Dennis Wohlgemuth am Schlagzeug. Er ist Vollblut-Musiker, studiert Jazz- und Popmusik am „Conservatorium Maastricht“. Mit ihm hatte ich schon einige Male zusammengearbeitet. Von seinem, in meinen Ohren, perfekten Stil, bin ich immer schon und immer noch begeistert. Er ist, metaphorisch ausgedrückt, der Motor der Band.

 

Arne Schenk an der Gitarre: Einen besseren Gitarristen hätte ich mir für dieses Projekt nicht wünschen können! Für mich sollen die Gitarren-Soli so klingen, wie sie sich mir beim Hören des Originals eingeprägt haben. Genau das schafft Arne! Durch seine langjährige Erfahrung mit eigenen Projekten und seine unverwechselbare Art, vor allem auf der Bühne, ist er eine große Bereicherung!

Ebenfalls von Anfang an dabei war Ruth Achenbach am Tenor- und Bariton- Saxophon. Sie singt auch Backing-Vocals. Für eine Bowie-Cover-Band ist das Saxophon ja unerlässlich! Umso schöner, wenn die Musikerin eine wundervolle Frau ist, die mit ihrem Charme, ihrer Stärke und ihrem Talent nicht nur die Musik aufwertet!

 

Ruth, die schon lange Mitglied der Big Band der Musikschule Jülich und der Ska -Formation „The Blue Beat“ ist, stellte dann den Kontakt zu deren Bassisten Werner Plum her, der nicht nur am E-, sondern auch am Kontrabass ein Virtuose ist und der live eine unglaubliche Coolness ausstrahlt.

 

Auch Reinhard Seifert an der zweiten Gitarre ist Mitglied bei „The Blue Beat“, spielt dort allerdings Trompete. Außerdem ist er Gitarrist der Band „The Spix“. Reinhard war vor unserem ersten Auftritt im September 2015 beruflich über einen Monat lang im Ausland, hat aber das Pensum von 29 Liedern trotzdem gestemmt. Sein enormer Einsatz ist nicht nur musikalischer Art, er unterstützt mich zum Beispiel sehr bei den organisatorischen Belangen und ist immer wieder ein ausgleichendes Element in unserer doch recht „wuseligen“ Mannschaft.

 

Melinda Cannavò kenne ich aus meiner Kindheit. Wir waren zusammen im Chor des Mädchengymnasiums. Sie wollte ich unbedingt als Backgroundsängerin haben, da sie eine wundervolle, tiefe und warme Stimme hat und ein bezauberndes Temperament. Sie ist quasi die „Chefin“ der Backgroundsängerinnen, managt wer welche Stimmlage übernimmt und übt die teilweise ungewöhnlich arrangierten Partien mit den anderen ein, bis diese sitzen.

 

Unser Glücksfall an den Keyboards: Tim Schroif. Erst einige Monate vor unserem Debut stieß Tim zu uns. Ein absolutes Naturtalent, eine Explosion an den Tasten! Obwohl Tim´s musikalischer Schwerpunkt die „Heartbeat Coverband“ ist und er im letzten Jahr eine Ausbildung begonnen hat, nimmt er sich immer wieder Zeit für uns und macht die Songs erst richtig „rund“.

 

Die jüngsten Mitglieder der Band, die beim Casting der Sparkasse im Kuba Jülich ihren Einstand hatten, sind Cindy Schäfer als Backgroundsängerin, ein Bühnen-„Rookie“, und David Engels am E-Cello. Zwei unglaublich positive Menschen, die uns musikalisch und menschlich aufwerten!

 

Ich habe Ende 2013 Musiker für ein Projekt gesucht, aber was ich gefunden habe ist Freundschaft und eine wundervolle Zusammenkunft von talentierten, witzigen und liebenswerten Menschen, die gemeinsam etwas Größeres und Schöneres geschaffen haben, als ich es mir je hätte erträumen können!

 

Wie sind Sie zu dem Bandnamen gekommen?

„L.D. Stardust and the Ziggys from Mars“ setzt sich aus mehreren Elementen zusammen. „L.D.“ sind erst mal meine Initialen: Lia Dolfus. Ebenso sehe ich es aber auch als Abkürzung für „Lady“.

„Lady Stardust“ ist eins meiner Lieblingslieder von David Bowie.

„Stardust“ wiederum ist quasi der Nachname von „Ziggy“, einem der Hauptcharaktere Bowies. Er verkörperte einen außerirdischen Rockstar, wenn man so will. Und das Album, das sich diesem Charakter widmet, heißt:„The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars“, aus dem Jahre 1972.

 

Die „Spiders from Mars“ waren die Band, die den Charakter „Ziggy“ begleitete. „Ziggy“ spielte allerdings eine wesentlich größere Rolle als die „Spiders“. Da meine Band für mich aber einen sehr hohen Stellenwert hat und ich dieses auch so transportieren wollte, ersetzte ich also das Band-Synonym „Spiders“ durch „Ziggy“. Gar nicht so leicht zu erklären!

 

Welche Eigenschaften von David Bowie – musikalisch wie hinsichtlich seiner oft exzentrischen Bühnenperformance – übernehmen Sie für Ihre Auftritte?

Das, was ich an Bowie mehr als alles andere bewundere ist, dass er immer gemacht hat, worauf er Lust hatte und zwar musikalisch, künstlerisch und auch privat. Dass er Musik gemacht hat, von der er wusste, dass sie nicht die „breite Masse“ ansprechen würde. Dass er sich selbst treu geblieben ist in seinem Ehrgeiz etwas zu erschaffen, Geschichten zu erzählen. Das ist in gewisser Weise die Maxime, die ich übernommen habe: Wir zeigen, was wir zeigen wollen und wir zeigen uns so, wie wir sind.

 

Ich möchte, dass wir als Band Bowie würdigen und dazu beitragen, dass seine Musik – und somit er – nicht vergessen wird. Aber ich möchte ihn nicht nachmachen, nicht versuchen ihn zu kopieren. Das ist in meinen Augen weder möglich noch erstrebenswert.

 

 

Was war der bisher größte Auftritt?

Bis dato hatten wir ja nur zwei Auftritte. Unser Debut am 12.09.15 im Kuba Jülich war eigentlich als das einzige Konzert geplant. Ein bombastisches Unterfangen, das ich mir da erträumt hatte, das wir aber tatsächlich auch ziemlich genau so umgesetzt haben. Das Set bestand aus 29 Liedern, die Band aus 13 Musikern, wir hatten zwei TV´s, auf denen ein extra zusammengestelltes Video aus Bowie-Bildern lief, eine Styropor Nachbildung des schwarz-weißen Jumpsuits von Kansai Yamamoto, Federboas und und und. Es war großartig! Es hat allen Beteiligten tierischen Spaß gemacht und den Kern der Band total zusammengeschweißt.

 

Wie war für Sie und Ihre Bandmitglieder der Auftritt beim Jazz-Casting?

Grandios! Wir haben sehr viel Spaß gehabt! Dass wir dann tatsächlich gewonnen haben, damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet – die Konkurrenz war sehr stark und wir waren gelinde gesagt überwältigt!

 

Mit welchen Gefühlen blicken Sie dem Auftritt beim Sparkassen-Jazzabend auf dem Kaiserplatz in Düren entgegen?

Die ganze Band freut sich wahnsinnig auf den Auftritt. Das wird unser erstes Open Air Konzert sein, auch unser erstes außerhalb Jülichs. Wir werden eine Menge Spaß haben und hoffen natürlich, dass es dem Publikum auch so gehen wird.

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